Grundlegendes zur Frauenarbeit von ECLAT

Diesen Informationsbrief möchten wir der Frauenarbeit von ECLAT widmen. Wenn wir über die Rolle und Stellung von Frauen in anderen Kulturen sprechen, müssen wir uns als Europäer davor hüten, nach unseren Maßstäben zu urteilen und zu verurteilen – auch wenn Zustände für uns unverständlich sind oder unakzeptabel erscheinen. „Ich weiß, was für dich gut ist“, hat eher neokoloniale Züge und ist sicherlich nicht der richtige Weg. Auch wir von upendo müssen uns davor hüten, unsere Wertvorstellungen exportieren zu wollen – und sei es nur unbewusst. Das gilt besonders für die Frauenarbeit von ECLAT bei den Massai. Wir unterstützen diese Arbeit von Philomena gerne, die als Massai-Frau zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen die Stellung der Frauen in ihrer Heimat Schrittchen für Schrittchen verändern möchte. Selbstverständlich diskutieren wir mit ihr über ihre Arbeit, letztendlich aber müssen die grundlegenden Entscheidungen dazu von ECLAT kommen und nicht von uns. Glücklicherweise gibt es auch andere einheimische Organisationen in Tansania, die sich mit Frauenarbeit beschäftigen und von denen ECLAT lernen kann und die von ECLAT lernen können.

Die Frauenarbeit von ECLAT

Unterricht für eine Frauengruppe im Frauenzentrum

Philomena hat die Frauenarbeit von ECLAT vor ein paar Jahren gegründet und leitet sie. Dazu gehört die Betreuung von 75 Frauengruppen in den Dörfern des Distrikts, die sich in den letzten Jahren formiert haben. Immerhin sind das deutlich mehr als 2000 Frauen. Die Gruppen werden von den Mitarbeiterinnen von ECLAT in den Dörfern besucht, um über ihre Erfahrungen und Probleme zu beraten. Fast alle Gruppen haben inzwischen einen Mikrokredit erhalten, mit dem sie selbst zu wirtschaften lernen sollen. Sie tun sich schwer damit, auf einmal eigenes Geld zu besitzen und damit auch noch erfolgreich wirtschaften zu sollen. Einige Gruppen haben wirtschaftlichen Erfolg, andere kaum. Auch ECLAT muss lernen, sie zu beraten und zu betreuen. Das ist keine einfache Aufgabe und der naheliegendste Versuch, das Geld so einzusetzen, wie es Massai traditionell machen, nämlich Rinder zu züchten, setzen das Engagement der Frauen den bekannten Risiken wie dem Futtermangel zum Ende der Trockenzeit aus.

Seit zwei Jahren kommt nun Woche für Woche eine der Frauengruppen im Seminarzentrum für die Frauenarbeit von ECLAT zusammen, um dort von den beiden Lehrerinnen in ihnen wichtigen Themen geschult zu werden und gemeinsam über die Gruppe und ihren Erfolg oder Misserfolg nachzudenken. ECLAT muss die Inhalte dieser Seminare wie auch die Treffen in den Dörfern ständig neuen Entwicklungen und Erfahrungen anpassen, um die Arbeit zu optimieren.

Aufgabe und Rolle von Catherine

Auch der Anbau von Gemüse steht auf dem Lehrplan

Seit einigen Jahren arbeitet Catherine Maguzu bei ECLAT. Sie ist eine gut ausgebildete Sozial-wissenschaftlerin und in der Frauenarbeit erfahren, auch wenn sie selbst keine Massai ist. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Arusha. Ihr ist die Stärkung von Frauen eine Herzensangelegenheit, und sie wird von allen als Beraterin akzeptiert und willkommen geheißen. Neben anderen Aufgaben bei ECLAT begleitet und supervisiert sie die Frauenarbeit als enge Vertraute von Philomena. Die Entwicklungen in der Frauenarbeit brauchen kontinuierlich Anpassungen, die sorgfältig analysiert und bedacht werden müssen. Wir haben Catherine gebeten, uns für diesen Informationsbrief einmal etwas Grundsätzliches zum Thema Frauenarbeit zu schreiben.

Empowerment und Entwicklung – Erfolgreiche Methoden der ECLAT Frauenarbeit

Die ECLAT Frauen-Arbeit richtet sich vor allem an die Massai-Frauen. Soziale Normen und Strukturen und traditionelle Rollenbilder hindern sie oftmals daran, sich frei zu entfalten und gleichberechtigt am politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzuhaben. Durch (Bewusstseins-)Bildung sollen Frauen gestärkt und ihre Handlungsmöglichkeiten erweitert werden. Dabei ist es wichtig, auch die Männer (Väter, Brüder, Partner) einzubeziehen und für das Thema zu sensibilisieren.

Die Etablierung von Frauengruppen ist ein wichtiger Rahmen für diese Bildungsarbeit. Die gute soziale Vernetzung innerhalb der Gruppen schafft die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Ziel, Frauen mit dem Wissen, den Fähigkeiten und dem Selbstvertrauen auszustatten, die notwendig sind, um sich gut informiert und selbstbestimmt am Entwicklungsprozess beteiligen zu können. Die Alphabetisierung von Frauen ist ein wichtiger Schlüssel zur Verbesserung von Gesundheit, Ernährung und Bildung in der Gesellschaft und zur Befähigung von Frauen, an Entscheidungsprozessen in der Gesellschaft teilzunehmen.

Beim Aufbau von Kapazitäten sollen die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass ihre Fähigkeiten und Erfahrungen bei der Entscheidungsfindung auf allen Ebenen voll genutzt werden. Darüber hinaus sollen in den Schulungen Prinzipien der Erwachsenenbildung angewandt werden, bei denen praktische Einheiten die Theorieeinheiten ergänzen.

Die Förderung neuer unkonventioneller Rollen für Frauen trägt dazu bei, Denkweisen, Werte und Normen zu verändern. Die Schaffung von Rollenmodellen erfolgt während der gesamten Laufzeit des Programms. Die Ausbildung von Frauen als Community Resource Persons oder Training of Trainers in den Dorfgemeinden unterstützt die Herausbildung neuer Rollenmodelle und stellt so einengende Stereotypen in Frage. Frauen werden zu Change Agents und Akteurinnen in der Gemeinde.

Dazu trägt auch die Vermittlung der Fähigkeit bei, ein Einkommen jenseits traditioneller Berufe zu erzielen, und dadurch wirtschaftliche Eigenständigkeit zu erreichen. Der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen, die sich im Besitz von Frauen befinden, ist ein Indiz für den stattfindenden Wandel und damit einhergehend für den gleichberechtigten Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt und zu den sozialen Sicherungssystemen.

Die ECLAT Bildungsarbeit wird ergänzt durch die Bereitstellung von Mikrokrediten. Das Konzept der Village Savings and Loans Association hat sich als sehr hilfreich erwiesen, um die Solidarität und Disziplin der Gruppenmitglieder zu stärken und eine Sparkultur unter den Frauen zu fördern. Es stellt sicher, dass sie gleichberechtigt und verstärkt Kontrolle über ihre finanziellen Ressourcen und Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Eine weitere Grundlage der ECLAT Frauenarbeit ist die Bereitstellung von Mikrokrediten an Gruppen, die zwecks Unterstützung ihrer kleinen Gewerbe offiziell registriert sind. Der Unterstützung von Mikrofinanzierungen für Frauengruppen sollte immer eine Schulung in einfacher Unternehmensführung vorausgehen.

Ein professionelles Monitoring stellt einen kontinuierlichen Abgleich der tatsächlich erreichten Lern-/Entwicklungsziele mit den ursprünglichen Programmzielen und den dafür eingesetzten Res-sourcen sicher und ermöglicht so die notwendigen Anpassungen.

Und last but not least ist die enge Zusammenarbeit mit den regionalen Regierungsbehörden und Regierungsberatern sowie mit den lokalen Dorfvorstehern von entscheidender Bedeutung, da diese als gatekeeper den Zugang von Frauen zu Ressourcen beschränken können. Männer sollten von Anfang an in das Frauenprogramm einbezogen werden, damit sie die Aktivitäten und die Vorteile verstehen und die Frauen unterstützen können. Bei den Massai ist der Laigwanan eine in der Dorfgemeinschaft hoch angesehene Führungspersönlichkeit. Er und die Männer insgesamt haben ein großes Interesse daran, dass die für den Programmerfolg geplanten Aktivitäten durchgeführt werden.

von Catherine Maguzu
Deutsche Fassung: Marita Sand

Fotos: Rüdiger Fessel 2016/2017 (1,2), ECLAT 2021 (3)

CategoryInfobrief
© 2014-2021 upendo e.V
Fotos © 2014-2021 Rüdiger Fessel
Design & techn. Implementierung: netzwerkstudio
Verantwortlich für Inhalte: Tim Müller
Übersetzungen: Marita Sand