SCHULBILDUNG IN TANSANIA

Oft sitzen wie hier in Malambo mehr als 100 Kinder in einem Klassenraum

Das Schulsystem in Tansania ist vom englischen Schulsystem aus der Kolonialzeit geprägt. Die Grundschule („Primary School“) hat 7 Jahrgangsstufen (abgesehen von der heute obligatorischen einjährigen Kindergarten-Zeit). Wer die Abschlussprüfungen gut besteht, qualifiziert sich für die Sekundarschule. Diese dauert 4 Jahre bis zum „ordinary level“, das etwa dem deutschen Realschulabschluss entspricht. Wer diesen Abschluss gut schafft, darf auch noch die letzten beiden Jahre die Sekundarschule bis zum „advanced level“ besuchen, was unserem Abitur entspricht.

Alle Zwischen- und Abschlussprüfungen sind zentrale Prüfungen, die landesweit an allen Schulen gleichzeitig stattfinden. Wenn die Ergebnisse dieser Prüfungen nach ein paar Monaten vorliegen, werden auch die Schulen miteinander verglichen. Diese Ranglisten werden im Internet und in den Zeitungen des Landes veröffentlicht und sind für die Lehrer und Schulleiter eine wichtige Motivation: Sie zeigen, wie gut sie ihre Schüler unterrichtet haben. Alle Schulen, öffentliche wie private, nehmen daran teil, wobei die privaten Schulen in aller Regel besser abschneiden als die öffentlichen. Da die meisten Eltern in unseren Einsatzgebieten nicht lesen und schreiben können, unterstützen sie auch nicht die Schulbildung ihrer Kinder – und diese tun sich schwer in der Schule und schneiden meist nicht so gut ab.
Nur wenige Eltern können es sich leisten, ihr Kind an eine private Schule zu schicken. Andererseits aber versuchen auch Schüler, die sich nicht für die öffentliche Sekundarschule qualifiziert haben, ihr Glück an einer privaten Sekundarschule – sofern die Eltern es ihnen ermöglichen können. Traditionell sind fast alle Sekundarschulen des Landes Internatsschulen.

Insgesamt hat Tansania 17.165 öffentliche Primarschulen und 5.753 Sekundarschulen, aber nicht die Finanzmittel, um alle diese Schulen in Schuss zu halten und dem Bedarf entsprechend auszubauen und zu betreiben. Offiziell sollen in den Primarschulen des Landes nicht mehr als 45 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden, an den Sekundarschulen liegt die Grenze bei 40. Die Situation aber sieht vor allem in den abgelegenen Gegenden, in denen sich upendo engagiert, anders aus. Die hohe Kinderzahl, der Druck der Regierung auf die Eltern, ihre Kinder auch tatsächlich zur Schule zu schicken, Lehrermangel und die zunehmende Wahrnehmung des Werts von Schulbildung in der Bevölkerung haben die Zahl der Kinder an den Primarschulen in unseren Arbeitsgebieten in den vergangenen Jahren stark ansteigen lassen. 100 Kinder in einem Klassenraum sind keine Seltenheit mehr an solchen Primarschulen; die höchste Zahl der von mir angetroffenen Kinder in einem Klassenraum betrug im vergangenen Jahr 136.

upendo möchte möglichst vielen dieser Kinder die Chance auf eine adäquate Schuldbildung geben. Dafür engagieren wir uns mit dem Aus- und Neubau von Schulen, in diesem Jahr bisher schon an sechs Schulen.

EINE NEUE PRIMARSCHULE FÜR EMBOREET

Beginn der Bauarbeiten für die neue Primarschule in Emboreet

Anfang des Jahres hat der Fotojournalist Claudio Verbano in unserem letzten Informationsbrief und der Zeitschrift Chrismon über den täglichen 4-stündigen Fußmarsch des 9-jährigen Mädchens Pendo zu ihrer Schule (und zurück) berichtet. Nach unserem Besuch im Boma ihrer Familie haben wir im Februar entschieden, in dieser Gegend von Emboreet lieber eine neue Primarschule zu bauen, statt die existierende zu erweitern, zu der Pendo und viele andere Kinder täglich marschieren. Chrismon hat daraufhin im Mai einen Spendenaufruf für die neue Schule veröffentlicht (https://chrismon.evangelisch.de/projekte/schulbau-in-tansania-49673). Wir sind bewegt und dankbar dafür, wie viele Leser upendo inzwischen Geld für den Schulbau überwiesen haben.

Pendo besucht mit ihrem Vater den Neubau ihrer zukünftigen Schule

Da auch die Stiftung Fly&Help den Neubau unterstützt, konnten bereits Anfang Juni die Bauarbeiten beginnen. Schon im September will ECLAT die neue Schule mit zunächst vier Klassenräumen, zwei Toilettenblöcken, zwei Wohnhäusern für Lehrer und einer Regenwassersammelanlage an die Regierung übergeben und mit dem Schulbetrieb beginnen. Schneller geht es wohl kaum! Wir werden über die Schuleröffnung berichten und bedanken uns bei allen, die eine so schnelle Lösung ermöglicht haben, damit Pendo und viele andere Kinder nun deutlich mehr Zeit und Kraft zum Lernen haben.

SCHULCLUBS „LEBEN IN HARMONIE MIT DER NATUR“

Schülerinnen lesen im PAMS-Buch „Juma, die Giraffe“

Seit 2015 unterstützt die PAMS-Foundation bei der Umweltbildung an Schulen. Die Vision von PAMS ist eine Welt, in der die Wildtiere und Nationalparks geschützt sind und die Menschen in ihrer Nähe sicher leben können und den Wert der Natur verstehen. Da die wilden Tiere des Parks die Lebensgrundlagen der angrenzenden Bevölkerung bedrohen und die Grasflächen der Parks den Tierherden der Massai nicht als Weideflächen zur Verfügung stehen, ist die Bevölkerung kaum bereit, den Tier- und Naturschutzgedanken mitzutragen. Die Umwelterziehung von Jugendlichen an den Schulen ist der Schlüssel, um der nächsten Generation die Bedeutung der Wildtiere und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen zu vermitteln und auf diese Weise zum Schutz der Nationalparks beizutragen.

Die Bildungsarbeit an den Sekundarschulen östlich des Tarangire-Nationalparks im Simanjiro-Distrikt und westlich davon bei Babati wurde in den vergangenen Jahren auf etwa 10 Sekundarschulen ausgeweitet und beeinflusst heute etwa 2.000 Kinder. Der „Club” ist sehr beliebt, ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler nimmt an den freiwilligen Veranstaltungen teil. Sie lernen den Sinn von Natur- und Tierschutz, das Pflanzen von Bäumen, und sie besuchen die angrenzenden Nationalparks.

Ferdnand, Lehrer von PAMS, mit Schülern im Tarangire Nationalpark

Dabei lernen sie, die wichtigsten Umweltprobleme ihrer Region zu verstehen. Wir waren jedenfalls bei unserem Besuch des Kurses an der Sekundarschule in Emboreet beeindruckt, wie klar und deutlich die Schüler die Umwelt- und Naturschutzprobleme ihres Landes erkennen und diskutieren konnten. Ein Projekt, das bereits jetzt Früchte trägt und Hoffnung macht.

Fotos: Jörg Eulert (Februar 2019); Bakiri Angalia (Juni 2020, Juli 2020); PAMS Foundation (2016, 2017)[/column]

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