Die letzten Projektreisen nach Tansania haben uns erneut vor Augen geführt, wie viel upendo und die tansanische Partnerorganisation ECLAT in den vergangenen Jahren bereits bewirkt und erreicht haben. In diesem Informationsbrief berichten wir kurz über die wichtigsten Ereignisse vom August.

Besuch beim Premierminister

Besuch beim Ministerpräsidenten Kazim Majaliwa (2. von rechts) in der Hauptstadt Dodoma

Die Arbeit von ECLAT hat bis in die höchsten Regierungsebenen Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden. So hatte uns der Premierminister Kazim Majaliwa am 15. August zu seinem Amtssitz nach Dodoma gebeten. Er begrüßte die gemeinsamen Bemühungen von upendo und ECLAT, staatliche Schulen im Land zu unterstützen. Die Möglichkeiten der Regierung reichen bei Weitem nicht aus, die hohe Zahl der Schulen im Land (ca. 15.000 Primarschulen und 3.500 Sekundarschulen) in einem guten und akzeptablen Zustand zu halten, ganz abgesehen davon, dass die Zahl der Schulen aufgrund der schnell wachsenden Zahl von Kindern nicht ausreicht. Kazim Majaliwa bedankte sich im Namen der tansanischen Regierung bei den Menschen und Organisationen in Deutschland, die upendo und ECLAT dabei unterstützen, die Bildungssituation in Tansania zu verbessern – und lud uns ein, ihn in seinem Heimatdorf im Süden des Landes zu besuchen.

Übergabe der Primarschulen in Loiborsoit „A“ und Kaangala

Austausch der Urkunden zur Übergabe der neuen Primarschule in Loiborsoit „A“

ECLAT renoviert, erweitert oder baut 2018 insgesamt sieben Primarschulen in Tansania, vier davon im Simanjiro-Distrikt. Während unserer Projektreise im August konnten wir zwei dieser Schulen an die Distriktregierung als Betreiber der Schulen übergeben: die neue Primarschule im Dorf Loiborsoit „A“ und die renovierte Primarschule in Kaangala. Die Regierung Tansanias war bei den Festakten durch Herrn Tixon Nzunda vertreten; er ist im Büro des Staatspräsidenten als stellvertretender Staatssekretär für Schulbildung verantwortlich. Auch er bedankte sich bei upendo und ECLAT für die Unterstützung der Schulen in Tansania, wie auch bei den Geldgebern in Deutschland. ECLAT wird vom Staat als eine der besten kooperierenden NGOs angesehen, auch weil die Organisation nur einen kleinen Teil des Geldes für Verwaltung ausgibt. Aber auch die Bevölkerung zeigte ihre Dankbarkeit mit traditionellen Geschenken wie Massai-Schmuck oder Tüchern – und als wertvollstem Geschenk sogar einer Kuh (die wir weder verspeist noch mitgenommen haben). Die stundenlangen Feiern an beiden Schulen haben uns alle tief bewegt und uns gezeigt, dass die Bevölkerung der Schulbildung einen deutlich höheren Stellenwert beimisst als noch vor einigen Jahren. Da bedeutet aber auch eine neue Herausforderung, denn im Distrikt gehen zurzeit nur schätzungsweise 70% der Kinder überhaupt zur Schule. Die Zahl der Schulkinder wird also noch deutlich steigen.

Übergabe von Maismühlen an Frauengruppen

Philomena Kiroya bei der Übergabe der Maismühle an eine Frauengruppe

Zwei der Frauengruppen hatten sich entschieden, von den ihnen gewährten Mikrokrediten Maismühlen anzuschaffen. Sie wollen diesen Service in ihren Dörfern anbieten, um sich damit ein Einkommen zu erwirtschaften. Das Zerkleinern der harten Maiskörner von Hand ist eine schwere Arbeit, weshalb Maismühlen überall in Tansania von der Bevölkerung gerne in Anspruch genommen werden. Für die Frauen, denen in ihrer Kultur traditionell kein eigener Besitz zugestanden wird, bedeutet ein solcher Kredit eine kleine Revolution. Sie kön-nen nun selbst ihre wirtschaftliche Situation verbessern und sind nicht mehr ausschließlich von ihren Männern abhängig. Dementsprechend dankbar nahmen sie die neuen Mühlen feierlich und voller Freude in Empfang.





Aufklärungsarbeit über Familienplanung

Esther und Beatrice, Lehrerinnen am Frauenzentrum, beim Unterricht zu Möglichkeiten der Familienplanung

Esther und Beatrice, die beiden Lehrerinnen am Seminarzentrum für die Frauenarbeit von ECLAT, haben uns stolz am Unterricht zu Möglichkeiten der Familienplanung mit der ersten Frauengruppe teilnehmen lassen. Durch die inzwischen in Tansania gut etablierte Impfung von Kleinkindern ist die Kindersterblichkeit heutzutage vergleichsweise gering, und die Frauen der Massai haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre zahlreichen Kinder zu versorgen. ECLAT hat deshalb auf ihren Wunsch hin das Thema Familienplanung in das Seminarprogramm aufgenommen. Frauen, die sich dafür entscheiden, können sich in den staatlichen Gesundheitsstationen im Distrikt beraten und behandeln lassen. Die im Distrikt für Familienplanung verantwortliche Krankenschwester besucht ECLAT monatlich zur Supervision der Aufklärungsarbeit am Seminarzentrum. Tat­sächlich wächst die Massai-Bevölkerung sehr stark, in weniger als 18 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Durch das Bevölkerungswachstum ist die traditionelle Lebensform der Maasai bedroht, denn es wird immer schwieriger, neue Weidegründe für die ebenfalls wachsenden Vieherden oder die notwendigen zusätzliche Ackerflächen zu finden.

Wie wir als deutsche Frauen die Frauenarbeit von ECLAT erlebt haben

Seit einigen Jahren verfolgen wir die Arbeit von upendo. Im Sommer 2018 hatten wir die Möglichkeit, die Projekte selbst zu besuchen und die erfolgreiche Arbeit von upendo mitzuerleben. Durch unsere Reise konnten wir einen Einblick in das ursprüngliche Leben der Massai gewinnen. Traditionell hat eine Massaifrau keinen persönlichen Eigenwert. Sie bleibt im Hintergrund, wird mit ihren Kindern „ausgesetzt“ und darf nicht über eigenes Geld verfügen. Zu ihren Hauptaufgaben gehört es bis heute, die Kinder alleine zu versorgen, d.h. ein Boma (Hütte) zu bauen und auf oft langen Wegen Feuerholz und Wasser zu besorgen. Die meisten von ihnen haben keine Schulbildung.

Durch die Projektarbeit von ECLAT konnten bereits viele Frauengruppen gegründet werden. Eine große Errungenschaft ist das Frauenzentrum, in dem sich Massaifrauen unterschiedlichen Alters nunmehr mit Billigung ihrer Männer und Stammesältesten zu 5-tägigen Seminaren treffen können. Wir konnten miterleben, wie die Frauen ihrer Freude und Begeisterung über ihr Zusammensein mit singen und tanzen Ausdruck verliehen und waren davon in Herz und Seele tief berührt.

Zwei engagierte Lehrerinnen unterrichten die Frauen in wichtigen Themen und gehen auf ihre persönlichen Bedürfnisse ein. Sie geben Unterricht in Sprache, Hygiene, Ernährung, Umgang mit Geld und Familienplanung. Informationen über Schwangerschaftsverhütung müssen behutsam weitergegeben werden, weil die Akzeptanz bei den Männern noch nicht sehr ausgeprägt ist. Kinder zählen als Reichtum, aber die Bevölkerungsexplosion ist ein zunehmendes Problem. Auch Gewalt in der Familie ist ein ernst zu nehmendes Thema, gleichwie die Beschneidung der Mädchen vor der Hochzeit. Während der Seminare wird den Frauen auch der Wert von Bildung nahe gebracht, damit die Zahl der Kinder, die zur Schule gehen, steigt.

Ein Höhepunkt unserer Reise war die feierliche Übergabe von zwei Maismühlen an zwei Frauengruppen, mit denen sie sich etwas Geld verdienen wollen. Auf der ganzen Welt verbindet Frauen die Fürsorge für andere. Das braucht Liebe, Geduld, Wissen und Geld. Jetzt haben die Frauen die Chance, eigenverantwortlich und erfolgreich damit zu arbeiten. Sie können sich Geld erwirtschaften und mit dem Überschuss den gewährten Kleinkredit langsam zurückzahlen. Für uns war es eine große Freude, die Übergabe der Mühlen mitfeiern zu können.

Wir haben erlebt, dass intensiver Austausch mit den Massaifrauen auch ohne Sprache gut möglich ist. Wir spürten, wie wichtig ihnen der Besuch von Frauen aus Europa war, den sie als große Wertschätzung empfanden.

Alina Gosger, Ute Gosger und Zita Schwarz

Fotos (August 2018): Büro Premierminister (1), Andreas Salzmann (2), Joachim Buchmüller (3), Ute Gosger (4)

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