In unserem ersten Informationsbrief möchten wir vor allem den Hintergrund des tansanischen Partnerprojekts ECLAT vorstellen, das wir unterstützen wollen und für das UPENDO ins Leben gerufen wurde. Wir möchten später dann mehr über uns, unsere Kontakte und Besuche in Tansania und die Rolle der Fürsorge- und Bildungsstiftung berichten.

Vor vielen Jahren, als Toima Kiroya und seine Frau Philomena noch kleine Kinder waren, verlangte der tansanische Staat von jeder Maasai-Familie, mindestens ein Kind zur Schule zu schi­cken. Toima war damals als Jüngster zu klein zum Hüten der Schafe, Zie­gen und Rinder – und deshalb war er es, der zur Schule geschickt wurde. Auch Philomena kam in den Genuss einer für Mädchen ungewöhnlichen Schulbildung, denn Frauen werden in der Maasai-Kultur bis heute kaum respektiert. So gingen die beiden gemeinsam in ihrem Heimatdorf Emboreet in die Grund­schule und erkannten die Bedeutung einer guten Ausbildung.

Die Maasai-Bevölkerung verdoppelt sich zurzeit in weniger als 20 Jahren. Bei der Volkszählung 2013 lag die Bevölkerungszahl bei 840.000. In 2003 lag die Zahl bei 400.000 Maasai und 1993 bei 377.000 Maasai. Ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hängt von ihren Rindern ab, aber die Zahl der Rinder lässt sich nicht beliebig steigern. Überweidung und Verdursten ganzer Her­den sind Realität. So verarmen die Maasai und verlieren mehr und mehr den Anschluss an die allgemeine Entwicklung des Lan­des. Armut aber ist eng mit fehlender Bildung gekoppelt – und im Simanjiro-Bezirk, in dem Toima und seine Frau leben, be­trägt die Analphabetenrate nach der letzten Volkszählung 73 Prozent.

DEM EIGENEN VOLKSSTAMM VERBUNDEN

Toima und Philomena haben die Bedeutung der Bildung für sich und ihre vier Kinder erkannt: Toima ist heute als District Commis­sioner ein hoher politischer Beamter, der vom Staatspräsidenten als Regierungschef in einen Distrikt entsandt wird. Ihre Kinder gehen ganz selbstverständlich zur Sekundarschule oder schon zur Universität. Aber Toima und Philomena haben ihre Abstam­mung und ihre Heimat nicht vergessen: Sie haben sich in ihrem Heimatdorf ein Haus gebaut, in dem Philomena mit der Familie lebt, auch wenn Toima berufsbedingt nur selten zuhause ist. Ihr Haus ist im traditionellen Kraal in „Google Earth“ gut zu erken­nen, auch wenn die Satellitenaufnahme schon einige Jahre alt ist.

SEKUNDARSCHULBEGINN UND FRAUENPROJEKTE

Doch die beiden wollten mehr: Gemeinsam mit Freunden grün­deten sie einen Verein, die ECLAT-Foundation, um in ihrem Dorf eine weiterführende Schule zu bauen. Es gibt dort nämlich staatliche Grundschulen (wenn auch mit nur geringer Wirkung, wie die Analphabetenrate zeigt), aber keine weiterführenden Schulen. Deshalb haben sie mit eigenen Mitteln den Bau einer Schule begonnen. Soweit möglich, haben sie finanzielle Unterstützung in Tansania zu finden gesucht. Aber die zur Verfügung stehenden Mittel sind gering und die Schule entsprechend klein. 2013 konnten zum ersten Mal Schülerinnen und Schüler nach vier Schuljahren ihren ordinary Abschluss (Realschulabschluss) feiern. Heute, fünf Jahre nach Projektbeginn, besuchen 133 Schüler die Schule.

In ihrer Heimat zu bleiben, war für Philomena auch deshalb wichtig, weil sie die Stellung der Frauen in der Maasai-Gesellschaft zu verbessern sucht: Sie hat mit der finanziellen Unterstützung durch die belgische Botschaft Frauen- und Mikrokreditprojek­te gegründet, die sie leitet und betreut – eine Aufgabe, die kein Europäer mit noch so guter Bildung, kein Mann und auch keine Frau eines anderen Volksstamms leisten könnte. Philomena und Toima sind ihrem Traum treu geblieben, der eigenen Volksgrup­pe, den Maasai, einen Weg aus seiner scheinbar ausweglosen Situation aufzuzeigen. 2011 haben sie dafür in Brüssel den bel­gischen Harubuntu-Preis verliehen bekommen, als Anerkennung für ihren Einsatz und als Ermutigung, nicht aufzugeben.

DIE SEKUNDARSCHULE IN EMBOREET

Auch in Tansania müssen Schulen gemäß staatlicher Vorgaben gebaut und betrieben werden. Die ECLAT-Foundation arbeitet deshalb eng mit den zuständigen Regierungsstellen zusam­men und nimmt im Vorstand der Schule eine wichtige Kont­roll- und Leitungsfunktion ein. So passt sich die Schule in das staatliche Schulsystem ein, und auch für ihre Nachhaltigkeit ist gesorgt: Die Schule soll dem Staat übergeben werden, der hat die Verantwortung für die Schule und stellt z. B. die Lehrer ein. Die Schule wird somit nicht jahrzehntelang von den Sponsoren abhängen. Diese müssen „nur“ helfen, die Schule aufzubauen. Bisher steht nur ein Gebäude mit wenigen Klassenzimmern, von denen ein Raum als Lehrerzimmer und Verwaltungsraum genutzt wird. Die Lehrer wohnen im ehemaligen Wohnhaus von Toima und seiner Familie auf engem Raum zusammen; ein Arbeits­zimmer zur Vor- oder Nachbereitung des Unterrichts haben sie nicht. Wie fast alle Sekundarschulen des Landes ist auch die in Emboreet eine Internatsschule. Die Familien der Schüler woh­nen weit weg, Bus- oder andere Transportmöglichkeiten gibt es nicht. Deshalb hat die Schule in Emboreet zwei Dormitories, in denen wenigstens die Mädchen übernachten können. Die Jun­gen wohnen in den Dörfern der näheren Umgebung und müssen (noch) täglich weit laufen.

FRISCHES WASSER FÜR DIE SCHULE

Wasser ist in Emboreet knapp, und die Trockenzeit ist sieben Monate lang. Eine Grundwasserpumpe hat kaum jemand, der Grundwasserpegel liegt tief. Anfang 2014 hat die Fürsorge- und Bildungsstiftung bereits Geld für die Wasserversorgung der Schule zur Verfügung gestellt: Ein Brunnen wurde gebohrt und ein Was­sertank gebaut. Die Wasserpumpe aus Deutschland und deren Energieversorgung mit Solarpanelen ist auf dem Weg nach Tan­sania. Sie soll aus 90 Metern Tiefe täglich etwa 30 m3 sauberes Wasser in den Tank pumpen – genug Wasser auch für eine weit größere Schülerzahl.

DIE ERSTE SCHULABSCHLUSSFEIER…

… fand im Oktober 2013 statt. Dr. Fred Heimbach war als Ehrengast dazu gela­den. Es war ein großes, buntes Fest. Die Familienangehörigen waren von weither gekommen, zum Teil mehrere Tagesmärsche weit. Sie wollten miterleben, wie ihre Kinder den Schulabschluss feierten. Vor allem aber wollten sie ihren großen Hoffnungsträger und ihr Vorbild sehen, Toima Kiroya, und natürlich seine Frau, die für die Maasaifrauen eine wichtige Leitfigur geworden ist. Die Bei­den stammen aus Emboreet und gehören nach wie vor zur Dorf­bevölkerung, weil sie erkennbar zu ihrer Herkunft stehen. Durch Bildung sind sie zu so etwas wie Reichtum und auch zu Einfluss gekommen – sogar zu Freunden in Europa. Einen Freund, nämlich Dr. Fred Heimbach, hatten sie zu der ersten Abschlussfeier mitgebracht. Das Fest dauerte den ganzen Tag, die Schüler sangen und tanzten, es wurden lan­ge Reden gehalten, und die Schüler nahmen mit strahlendem Gesicht ihre Urkunden in Empfang. Ihre Freude war ansteckend und der Stolz der Familienangehörigen groß.
Mehr und mehr kommt die Bevölkerung im Simanjiro-Bezirk auf den Geschmack von Schulbildung, und die Zahl der Eltern, die ihren Kindern eine bessere Zukunft wünschen und sie zur Schule schicken, wächst.

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